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Versicherungspolice digital: was in Textform geht und wo eine Unterschrift Pflicht bleibt

Versicherungspolice digital: Versicherungsschein, Textform und Widerrufsfrist nach VVG. Was ohne Unterschrift geht und wo eine QES Pflicht ist. Jetzt prüfen.

Ein Versicherungsvertreter dreht am Küchentisch ein Tablet zum Kunden, um seine Unterschrift für die Versicherungspolice digital einzuholen; Schlüssel und eine Policenmappe liegen daneben

Versicherungspolice digital: Unterschrift und Zugang sind zwei Fragen

Eine Versicherungspolice digital zu verschicken wirft zwei getrennte Fragen auf, und die meisten Ratgeber beantworten nur die erste. Die erste: Braucht das Dokument überhaupt eine Unterschrift? In Deutschland meistens nicht. Das Versicherungsrecht arbeitet fast durchgehend mit der Textform des § 126b BGB, also mit einer lesbaren Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger, in der der Erklärende genannt ist. Die zweite: Kommt das Dokument so beim Kunden an, dass der Versicherer es später beweisen kann? Hier sitzt das eigentliche Risiko, denn Widerrufs- und Rügefristen laufen erst ab Zugang.

Wer beides vermischt, erlebt den Klassiker. Der Antrag ist sauber digital abgeschlossen, der Versicherungsschein geht als Anhang raus, und im Streit lässt sich nicht belegen, was wann beim Kunden lag. Die Unterschrift hält. Die Frist läuft trotzdem nicht.

Der Text geht Dokument für Dokument durch, dann die Informationspflichten, dann sechs weitere Märkte. Wie Versicherer und Vermittler Unterlagen mit Chaindoc versenden, steht auf der Seite E-Signaturen für Versicherungspolicen. Eine Warnung vorab: Das hier ist eine Landkarte, keine Rechtsberatung. Das letzte Wort haben Ihre Compliance-Abteilung und der Gesetzestext.

Versicherungspolice, Textform und QES: was das BGB verlangt

Das deutsche Recht kennt drei Stufen, und nur die oberste verlangt eine Signatur.

  • Formfrei: Ein Versicherungsvertrag kommt in aller Regel ohne besondere Form zustande. Der Antrag kann per Klick im Online-Formular kommen.
  • Textform, § 126b BGB: eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger, in der die Person des Erklärenden genannt ist. Das VVG schreibt sie fast überall vor, etwa für Vertragsbestimmungen und Pflichtinformationen (§ 7 Abs. 1), für den Versicherungsschein (§ 3 Abs. 1) und für den Widerruf (§ 8 Abs. 1).
  • Schriftform, §§ 126 und 126a BGB: eigenhändige Unterschrift. Online ersetzt sie nur die elektronische Form: Der Aussteller fügt seinen Namen hinzu und versieht das Dokument mit einer qualifizierten elektronischen Signatur (QES).

Zwischen Textform und Schriftform liegt der Kern des Themas. Die Unterschrift löst deshalb meistens das kleinere Problem.

Was ein dauerhafter Datenträger leistet

Ein dauerhafter Datenträger lässt den Empfänger eine an ihn gerichtete Erklärung speichern und über einen angemessenen Zeitraum unverändert wiedergeben (§ 126b BGB). Ein PDF-Anhang erfüllt das. Eine Seite im Kundenportal nur, wenn der Kunde das Dokument herunterladen kann und es sich nicht ändert, sobald der Versicherer die Seite pflegt.

Was eine Signatur ohne Formzwang bringt

Nach Art. 25 eIDAS darf kein Gericht einer elektronischen Signatur allein deshalb die Wirkung absprechen, weil sie elektronisch ist. Die Wirkung einer handschriftlichen Unterschrift hat nur die qualifizierte. Eine einfache Signatur unter einem Antrag lohnt sich trotzdem: Sie belegt, wer was wann erklärt hat, auch wo das Gesetz keine Form verlangt.

Versicherungspolice, Antrag und Schadenanzeige: jedes Dokument einzeln

So wirken die zwei Fragen auf die Dokumente, die ein Versicherer oder Vermittler jede Woche bearbeitet. Steht in einer Zelle Textform, ist § 126b BGB gemeint. Wo es um den Zugang geht, gilt: Jede Frist, die an dem Dokument hängt, läuft erst, wenn der Versicherer den Zugang beweisen kann.

Versicherungsdokumente: Unterschrift und Zustellung in Deutschland

DokumentElektronische UnterschriftElektronische ZustellungWorauf achten

Versicherungsantrag

Keine Form vorgeschrieben; Klick oder einfache Signatur genügen, die Signatur dient dem Beweis

Keine Zustellfrage; die Pflichtinformationen müssen vorher da sein (§ 7 Abs. 1 VVG)

Vertragsbestimmungen, AVB und Informationen nach VVG-InfoV liegen vor der Vertragserklärung beim Kunden

Beratungsdokumentation

Keine Kundenunterschrift nötig

Papier; anderer Datenträger, wenn der Kunde ihn gewählt hat (§ 6a VVG)

Rat und Gründe dokumentieren (§ 6 Abs. 1); bei Telefonverträgen unverzüglich nach Vertragsschluss

Verzicht auf Beratung

Gesonderte schriftliche Erklärung, im Fernabsatz genügt Textform (§ 6 Abs. 3)

Keine Zustellfrage

Der Hinweis auf mögliche Nachteile (Schadensersatz nach § 6 Abs. 5) gehört in genau diese Erklärung

Versicherungsschein

Meist keine Kundenunterschrift

Ja, in Textform; als Urkunde auf Verlangen (§ 3 Abs. 1)

Weicht er vom Antrag ab: Hinweis bei Übermittlung, ein Monat zum Widerspruch (§ 5 VVG)

Nachtrag und Verlängerung

Ja, wo der Kunde zustimmt

Ja, in Textform

Die Fassung der Bedingungen ablegen, die der Kunde an diesem Tag erhalten hat

Schadenanzeige, Abfindungserklärung

Ja

Ja, auf dem vereinbarten Weg

Genau die Fassung aufbewahren, die der Anspruchsteller unterschrieben hat

Einwilligung nach § 150 Abs. 2 VVG

Schriftlich nötig, online nur mit QES (§ 126a BGB)

Keine Zustellfrage

Ohne wirksame Einwilligung der versicherten Person ist der Vertrag unwirksam

Maklervertrag

Ja

Ja

Zwischen Unternehmen entfallen die Verbraucherschutzschritte; der Vertrag legt die Zustellform fest

Die Unterschrift unter den Antrag ersetzt nicht die Wahl des Datenträgers

Wer einen Antrag digital abschließt, hat damit nicht automatisch zugestimmt, jede künftige Beratungsdokumentation, jeden Nachtrag und jede Mitteilung auf einem anderen Datenträger als Papier zu erhalten. Das Gesetz trennt beides: Für die Beratungsdokumentation ist Papier der Normalfall, ein anderer Datenträger gilt nur, wenn der Kunde ihn gewählt hat, eine Website nur bei personalisiertem Zugang oder mit seiner Zustimmung (§ 6a VVG). Holen Sie diese Wahl als eigenen Schritt ein, nennen Sie die Dokumentarten und legen Sie die Bestätigung zur Vertragsakte. Fehlt sie, ist jede später per E-Mail geschickte Dokumentation angreifbar.

Informationspflichten: § 7 VVG, VVG-InfoV und § 8 VVG

Wann welches Dokument beim Kunden liegen muss, regeln das VVG und die VVG-Informationspflichtenverordnung zusammen. Das VVG sagt, was der Versicherer wann liefert, die Verordnung, welche Angaben dazugehören (§ 7 Abs. 2 VVG). An dieser Lieferkette hängen die Fristen. Fünf Regeln tragen sie:

  1. 1.
    Vor der Vertragserklärung des Kunden bekommt er in Textform die Vertragsbestimmungen samt AVB und die Informationen nach der Verordnung (§ 7 Abs. 1 Satz 1 VVG). § 1 VVG-InfoV zählt sie auf: Identität des Versicherers, Gesamtpreis, Widerrufsrecht, Laufzeit, Kündigung, Aufsichtsbehörde und mehr.
  2. 2.
    Kommt der Vertrag am Telefon oder über ein Medium zustande, das die Textform vorab nicht erlaubt, wird die Information unverzüglich nach Vertragsschluss nachgeholt (§ 7 Abs. 1 Satz 3). Dasselbe gilt, wenn der Kunde durch gesonderte schriftliche Erklärung ausdrücklich verzichtet (Satz 4).
  3. 3.
    Der Versicherungsschein folgt in Textform, auf Verlangen als Urkunde (§ 3 Abs. 1). Weicht er vom Antrag ab, muss der Versicherer bei der Übermittlung darauf hinweisen und die Abweichung im Schein auffällig kennzeichnen. Tut er es nicht, gilt der Vertrag mit dem Inhalt des Antrags (§ 5 Abs. 2 und 3).
  4. 4.
    Der Kunde kann 14 Tage widerrufen, in Textform (§ 8 Abs. 1). Die Frist beginnt mit dem Vertragsschluss, aber nicht, bevor Versicherungsschein, Vertragsbestimmungen samt AVB, Informationen und Belehrung in Textform zugegangen sind (§ 8 Abs. 2 VVG). Den Zugang muss der Versicherer belegen. In der Lebensversicherung sind es 30 Tage (§ 152 Abs. 1).
  5. 5.
    Das Widerrufsrecht erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss, aber nicht, wenn der Kunde nicht ordnungsgemäß belehrt wurde (§ 8 Abs. 4).

Das Fernabsatzrecht des BGB hilft hier nicht weiter. § 312 Abs. 4 BGB lässt für Versicherungsverträge nur § 312a Abs. 3 bis 6 gelten, den Fernabsatz-Widerruf des § 312g also nicht: Es entscheidet allein § 8 VVG. Wer über eine Online-Benutzeroberfläche abschließt, hat zusätzlich § 356a BGB im Blick, auf den § 8 Abs. 1 VVG verweist. Danach braucht der Kunde eine deutlich beschriftete elektronische Widerrufsfunktion. Ehrlich gesagt: Wer in mehreren EU-Ländern vertreibt, plant am besten nach der strengsten Regel und nimmt die übrigen mit.

Zustellung und Widerruf im Vergleich

RegelVVG und VVG-InfoVIDD (Art. 23)BGB (§§ 126b, 312 Abs. 4)

Anwendungsbereich

Vertragsbestimmungen, AVB und Pflichtinformationen vor der Vertragserklärung (§ 7 Abs. 1), Versicherungsschein (§ 3), Beratung und Dokumentation (§ 6)

Alle Informationen, die die Richtlinie dem Kunden vor dem Vertragsschluss schuldet

Textform als Mindestform (§ 126b); Fernabsatzrecht gilt für Versicherungen nur mit § 312a Abs. 3 bis 6 (§ 312 Abs. 4)

Zustimmung

Anderer Datenträger als Papier nur, wenn der Kunde ihn gewählt hat (§ 6a Abs. 2 Nr. 1)

Der Kunde hat die Wahl zwischen Papier und einem anderen Datenträger und entscheidet sich für diesen

Keine eigene Zustimmung zur Textform; der Empfänger muss die Erklärung speichern können

Website

Zulässig bei personalisiertem Zugang oder mit Zustimmung des Kunden (§ 6a Abs. 2 Nr. 2)

Zustimmung, elektronische Mitteilung von Adresse und Fundstelle, Verfügbarkeit so lange, wie der Kunde sie braucht

Eine Seite genügt nur, wenn der Kunde sie speichern kann und sie unverändert bleibt

Widerruf

14 Tage in Textform, 30 Tage in der Lebensversicherung; die Frist beginnt erst mit Zugang der Unterlagen (§§ 8, 152)

Regelt nur den Weg der Information, keine eigene Frist

Der Fernabsatz-Widerruf (§ 312g) gilt nicht; online greift über § 8 Abs. 1 VVG die Widerrufsfunktion des § 356a

Papier

Versicherungsschein auf Verlangen als Urkunde (§ 3 Abs. 1)

Papierkopie auf Anfrage kostenlos

Textform verlangt kein Papier, nur einen dauerhaften Datenträger

Gescheiterter Zugang

Ohne Zugang der Unterlagen beginnt die Widerrufsfrist nicht; der Versicherer beweist den Zugang (§ 8 Abs. 2)

Die Information muss auf der Website bleiben, solange der Kunde sie braucht

Zugang nach den allgemeinen Regeln für Willenserklärungen (§ 130)

Der Versicherungsantrag online: was Beratung, Identität und Vermittler verlangen

Ein digital abgeschlossener Antrag ist wirksam, das Gesetz verlangt dafür keine Form. Die Pflichten kommen von anderer Seite: Der Versicherer muss den Kunden befragen und beraten und Rat sowie Gründe dokumentieren (§ 6 Abs. 1 VVG), und vor der Vertragserklärung muss der Kunde die Informationen nach § 7 VVG haben. Ein Online-Abschluss braucht also einen Ablauf, in dem der Klick erst nach diesen Schritten kommt.

Was im Antrag stehen und wer ihn unterschreiben muss, entscheiden das Formular des Versicherers und das VVG, nicht das Signaturrecht. Klären Sie das, bevor Sie eine Vorlage bauen:

  • Wer erklärt etwas: nur der Antragsteller, oder auch die versicherte Person, der Zahlungspflichtige, der Bezugsberechtigte?
  • Braucht es eine Einwilligung nach § 150 Abs. 2 VVG? Dann geht sie nur schriftlich, online mit QES.
  • Muss der Vermittler Beratung und Dokumentation vor dem Klick abschließen?
  • In welcher Reihenfolge wird unterschrieben? Eine Bestätigung des Beraters mit früherem Datum als die Erklärung des Kunden sieht im Streit verkehrt herum aus.

Wann bei einer Versicherungspolice digital eine Identitätsprüfung nötig wird

Ein E-Mail-Link beweist nur, dass jemand ein Postfach kontrolliert hat. Bei einer Lebensversicherung oder einem größeren gewerblichen Risiko lohnt sich eine optionale Identitätsprüfung des Unterzeichners. Eine normale Chaindoc-Anfrage geht an alle Beteiligten gleichzeitig. Muss der Kunde vor dem Vermittler unterschreiben, legt der Business-Tarif diese Reihenfolge über Freigabewege fest.

Kunde bestätigt am Küchentisch auf dem Tablet seinen Antrag, während der Vermittler gegenübersitzt: die Versicherungspolice digital abschließen

Die Unterschrift dauert eine Minute. Die Wahl des Datenträgers für Beratungsdokumentation und Versicherungspolice ist ein eigener Schritt, und nach genau dem fragt die Prüfung.

Den Versicherungsschein zustellen, ohne den Zugangsnachweis zu verlieren

Es gibt zwei Wege, und sie liefern nicht denselben Beweis.

Per E-Mail mit Anhang

Das PDF geht an die Adresse, die der Kunde angegeben hat. Ihr Beweis ist das Versandprotokoll und im besten Fall ein Abrufprotokoll. Stolperstein sind Rückläufer: Wenn die Nachricht nicht angekommen ist, ist der Zugang nicht belegt, und Fristen, die daran hängen, laufen nicht. Der Zugang richtet sich nach den allgemeinen Regeln für Willenserklärungen (§ 130 BGB).

Im Kundenportal mit Benachrichtigung

Ein Portal ist nur dann ein dauerhafter Datenträger, wenn der Kunde das Dokument speichern kann und es unverändert bleibt. Für die Beratungsdokumentation kommt § 6a VVG hinzu: Eine Website gilt bei personalisiertem Zugang oder mit Zustimmung des Kunden. Wer den Versicherungsschein im Portal ablegt, schickt trotzdem eine Nachricht mit dem Hinweis, wo er liegt. Außerdem kann der Kunde jederzeit Abschriften seiner Erklärungen verlangen (§ 3 Abs. 4 VVG).

Kurz gesagt: Wer nicht zeigen kann, dass die Versicherungspolice angekommen ist, hat sie nicht zugestellt. Legen Sie den Nachweis zur Vertragsakte und prüfen Sie, wie lange Sie signierte Unterlagen aufbewahren müssen.

Nachträge, Verlängerungen und Schadenfall

Nachträge und Verlängerungsangebote folgen der Versicherungspolice: Wo der Kunde zustimmen muss, unterschreibt er digital, den Rest liefern Sie in Textform. Der Schadenfall ist einfacher, als viele erwarten. Eine Schadenanzeige oder eine Abfindungserklärung lässt sich wie jeder andere Vertrag elektronisch unterschreiben. Schwierig wird die Versionskontrolle, denn die Erklärung, die der Kunde unterschrieben hat, muss die sein, die in der Akte liegt. Bewahren Sie das signierte PDF mit Prüfprotokoll auf und lesen Sie vorher, was ein Prüfprotokoll bei E-Signaturen festhält.

Die Einwilligung der versicherten Person bleibt schriftlich

Wer eine Versicherung auf den Todesfall eines anderen abschließt und mehr als die gewöhnlichen Beerdigungskosten absichert, braucht dessen schriftliche Einwilligung, sonst ist der Vertrag unwirksam (§ 150 Abs. 2 VVG). Ausgenommen sind Lebensversicherungen der betrieblichen Altersversorgung. Online heißt schriftlich: Name plus qualifizierte elektronische Signatur (§ 126a BGB). Ein Haken im Formular oder eine einfache Signatur reicht nicht. Planen Sie diesen Schritt als eigenes Dokument ein, sonst steht der ganze Vertrag auf der Kippe.

Antrag oder Schadenanzeige diese Woche zu versenden?

Laden Sie das PDF hoch, fügen Sie bis zu zehn Unterzeichner hinzu und erhalten Sie die signierte Datei mit Prüfprotokoll zurück. Der kostenlose Tarif enthält fünf Signaturen im Monat.

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Wo die Textform endet: § 6 Abs. 3 und § 150 Abs. 2 VVG

Das meiste Versicherungspapier kann komplett online laufen. Ein paar Dokumente nicht, oder nur mit der stärkeren Signatur.

Deutschland. Zwei Ausnahmen verlangen Schriftform. Den Verzicht auf Beratung und Dokumentation gibt der Kunde in einer gesonderten schriftlichen Erklärung ab, in der der Versicherer ausdrücklich auf mögliche Nachteile hinweist; bei Fernabsatzverträgen genügt Textform (§ 6 Abs. 3 VVG). Die Einwilligung der versicherten Person bei der Todesfallversicherung über gewöhnliche Beerdigungskosten hinaus verlangt § 150 Abs. 2 VVG schriftlich. Online bedeutet das jeweils die QES (§ 126a BGB). Alles Übrige läuft in Textform.

Vereinigte Staaten. Mitteilungen über das Ende von Kranken- oder Lebensversicherungsleistungen fallen aus dem ESIGN Act heraus (15 U.S.C. § 7003(b)(2)). Wer in den USA vertreibt, plant dafür Papier ein.

Frankreich. Jede zuverlässige elektronische Signatur kann einen Versicherungsvertrag tragen, aber nur die qualifizierte gilt als zuverlässig vermutet (Art. 1367 Code civil, décret 2017-1416). Bei jeder anderen muss der Versicherer die Zuverlässigkeit im Streitfall beweisen.

Unsicher bei einem Dokument? Lesen Sie, wann eine handschriftliche Unterschrift weiterhin Pflicht ist, bevor Sie es versenden.

Versicherungspolice digital in anderen Ländern

Außerhalb Deutschlands ist die Signaturfrage meist geklärt, und wieder richtet die Zustellung den Schaden an. In der EU macht Art. 23 der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) Papier zum Normalfall für vorvertragliche Informationen: Ein anderer dauerhafter Datenträger braucht die Wahl des Kunden, eine Website braucht Zustimmung und eine Mitteilung, wo die Informationen stehen. Deutschland setzt das in § 6a VVG um, Spanien in Art. 182 des Real Decreto-ley 3/2020, Frankreich in L111-10. Art. 25 eIDAS hindert Gerichte daran, einer elektronischen Signatur allein wegen ihrer Form die Wirkung zu nehmen, gibt aber nur der qualifizierten die Wirkung einer handschriftlichen Unterschrift. Das größere Bild finden Sie unter was ESIGN, eIDAS und britisches Recht von einer Signatur verlangen.

Lateinamerika folgt eigenen Gesetzen. Brasilien hat das Versicherungsvertragsrecht des Código Civil durch das Gesetz Lei 15.040/2024 ersetzt, seit Dezember 2025 in Kraft. Mexiko wendet weiter sein Versicherungsvertragsgesetz von 1935 an, zusammen mit den Regeln des Código de Comercio über Datennachrichten.

Die Versicherungspolice digital in sechs weiteren Märkten

MarktSignatur und FormZustellung der VersicherungspoliceFristen und Ausnahmen

Vereinigte Staaten

E-Signatur gilt grundsätzlich (ESIGN, einzelstaatlich UETA oder ESRA)

Elektronisch nur mit Einwilligung des Verbrauchers (15 U.S.C. § 7001(c)); dazu eigene Staatsgesetze zur elektronischen Zustellung

Beendigung von Kranken- oder Lebensversicherungsleistungen außerhalb des ESIGN Act (§ 7003(b)(2))

Vereinigtes Königreich

E-Signaturen werden grundsätzlich anerkannt; Urkunden (deeds) brauchen einen Zeugen

Papier, anderer dauerhafter Datenträger oder Website nach FCA-Bedingungen; Papier auf Wunsch kostenlos (ICOBS 4.1A)

Widerruf binnen 14 Tagen, bei Lebens- und Schutzpolicen 30 Tage (ICOBS 7.1.1R)

Frankreich

Schriftlich, auf Französisch, Ausschlussklauseln in sehr auffälliger Schrift (L112-3, L112-4)

Anderer Datenträger als Papier nur nach Prüfung, ob er zum Kunden passt; Papier auf Wunsch gratis (L111-10)

14 Tage im Fernabsatz, 30 Tage in der Lebensversicherung (L112-2-1)

Spanien

Schriftlich (Ley 50/1980, Art. 5); Papier oder ein anderer dauerhafter Datenträger genügt (Disposición adicional primera)

Der Versicherer übergibt die póliza; ein Monat, um Abweichungen zu rügen (Art. 8)

14 Tage im Fernabsatz, 30 Tage in der Lebensversicherung (Ley 22/2007, Art. 10)

Mexiko

Schriftform dient dem Beweis (Ley sobre el Contrato de Seguro, Art. 19)

Der Versicherer übergibt eine póliza (Art. 20), der Vertrag darf aber nicht von ihr abhängen (Art. 21)

Zustande gekommen, wenn der Antragsteller die Annahme kennt (Art. 21); 30 Tage, um die Berichtigung der póliza zu verlangen (Art. 25)

Brasilien

Der Antrag des Kunden braucht keine Schriftform (Lei 15.040/2024, Art. 43)

Vertragsinhalt vorab auf einem dauerhaften Datenträger (Art. 48), Nachweisurkunde binnen 30 Tagen nach Annahme (Art. 55)

Lehnt der Versicherer nicht binnen 25 Tagen ab, gilt der Antrag als angenommen (Art. 49)

Was Chaindoc bei einer Versicherungspolice festhält

Ob Ihre Versicherungspolice digital über DocuSign, Adobe oder Chaindoc läuft: Die Regeln zu Form und Zustellung bleiben Ihre Aufgabe. Das erhalten Sie, wenn ein Antrag, ein Nachtrag oder eine Schadenfreigabe durch den Signaturablauf von Chaindoc geht:

  • Beim Hochladen berechnet der Server den Hash der Datei, einen Fingerabdruck, der sich schon ändert, wenn ein einziges Zeichen anders ist.
  • Wenn Sie das Dokument zur Signatur veröffentlichen, wird der Hash dieser Version in die SKALE-Blockchain geschrieben. Wenn die letzte Partei unterschrieben hat, wird der Nachweis jedes Unterzeichners ebenfalls dort festgehalten.
  • Versicherungspolicen, Schadenakten, Namen und E-Mail-Adressen bleiben außerhalb der Chain.
  • Die E-Mail-Adresse jedes Unterzeichners wird standardmäßig verifiziert, und das Prüfprotokoll als PDF führt alle Unterzeichner mit Zeitstempeln und IP-Adressen auf, dazu den Dokument-Hash und die Transaktions-ID der Blockchain.
  • Bis zu zehn Empfänger pro Anfrage. Kunden unterschreiben im Browser ihres Telefons, ohne App.

Was Chaindoc nicht ist, zählt genauso. Chaindoc verwaltet keine Zustellzustimmungen über Ihren Bestand, versendet keine Verlängerungen in Masse und ist kein Bestandsführungssystem. Es kann das Formular zur Wahl des Datenträgers unterschreiben lassen und belegen, welche Fassung jede Person unterschrieben hat. Für eine Lieferantenprüfung: Chaindoc hält Zertifikate nach ISO 27001 und ISO 9001.

Checkliste: Versicherungspolice digital versenden

Gehen Sie das durch, bevor die erste Vorlage live geht:

  1. 1.
    Trennen Sie für jedes Dokument die zwei Fragen: Wer erklärt etwas, und wie kommt es zum Kunden?
  2. 2.
    Holen Sie die Wahl des Datenträgers (§ 6a VVG) als eigenen Schritt ein und nennen Sie die Dokumentarten, die sie abdeckt.
  3. 3.
    Prüfen Sie, dass der Kunde das Format öffnen und speichern kann (§ 126b BGB).
  4. 4.
    Stellen Sie vor der Vertragserklärung die Informationen nach § 7 VVG und VVG-InfoV bereit.
  5. 5.
    Belegen Sie den Zugang von Versicherungsschein, Bedingungen und Belehrung, sonst läuft keine Widerrufsfrist.
  6. 6.
    Weicht der Versicherungsschein vom Antrag ab, sagen Sie das bei der Übermittlung und kennzeichnen Sie es im Schein (§ 5 VVG).
  7. 7.
    Entscheiden Sie über Reihenfolge und Identitätsprüfung, und planen Sie die Schriftform-Ausnahmen ein: Verzicht auf Beratung außerhalb des Fernabsatzes und Einwilligung nach § 150 Abs. 2 VVG, online mit QES.
  8. 8.
    Legen Sie das signierte PDF, das Prüfprotokoll und den Zugangsnachweis zusammen ab, so lange wie Ihre Aufbewahrungsfristen es verlangen.

Stimmen diese acht Punkte, trägt Ihre Versicherungspolice digital in beiden Fragen: Der Kunde ist gebunden, und das Dokument ist nachweisbar bei ihm angekommen.

Quellen, die wir für diesen Ratgeber gelesen haben

Wir haben die Quellen am 14. Oktober 2026 gelesen. Gesetze ändern sich: Prüfen Sie den aktuellen Wortlaut, bevor Sie einen Prozess darauf aufbauen.

  1. 1.§ 126b BGB, Textform · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deLesbare Erklärung, Person des Erklärenden, dauerhafter Datenträger; geprüft am 14.10.2026
  2. 2.§ 126a BGB, Elektronische Form · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deName des Ausstellers und qualifizierte elektronische Signatur; geprüft am 14.10.2026
  3. 3.§ 312 BGB, Anwendungsbereich · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deAbsatz 4: auf Versicherungsverträge nur § 312a Absatz 3 bis 6; geprüft am 14.10.2026
  4. 4.§ 356a BGB, Elektronische Widerrufsfunktion bei Fernabsatzverträgen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deWiderrufsfunktion bei Verträgen über eine Online-Benutzeroberfläche; geprüft am 14.10.2026
  5. 5.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 3 · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deVersicherungsschein in Textform, neuer Schein bei Verlust, Abschriften, Kosten; geprüft am 14.10.2026
  6. 6.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 5 · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deAbweichung des Versicherungsscheins vom Antrag: Hinweis, ein Monat Widerspruchsfrist; geprüft am 14.10.2026
  7. 7.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 6, Beratung des Versicherungsnehmers · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deVerzicht auf Beratung durch gesonderte schriftliche Erklärung, Textform im Fernabsatz; geprüft am 14.10.2026
  8. 8.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 6a, Einzelheiten der Auskunftserteilung · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.dePapier, anderer dauerhafter Datenträger, Website; geprüft am 14.10.2026
  9. 9.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 7 · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deVertragsbestimmungen und Informationen in Textform vor der Vertragserklärung, Nachholung bei Telefonverträgen; geprüft am 14.10.2026
  10. 10.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 8, Widerrufsrecht des Versicherungsnehmers · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de14 Tage, Fristbeginn nach Zugang der Unterlagen, Erlöschen; geprüft am 14.10.2026
  11. 11.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 150 · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deAbsatz 2: schriftliche Einwilligung der versicherten Person; geprüft am 14.10.2026
  12. 12.Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 152 · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de30 Tage Widerruf in der Lebensversicherung; geprüft am 14.10.2026
  13. 13.VVG-Informationspflichtenverordnung § 1, Informationspflichten bei allen Versicherungszweigen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deKatalog der Pflichtinformationen vor Vertragsschluss; geprüft am 14.10.2026
  14. 14.Versicherungen, Verbraucherinformationen · Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)Aufsichtsbehörde: Überblick zu Versicherungsverträgen für Verbraucher; geprüft am 14.10.2026
  15. 15.Richtlinie (EU) 2016/97 über Versicherungsvertrieb · EUR-LexArtikel 23: Bedingungen für Papier, anderen dauerhaften Datenträger und Website
  16. 16.15 U.S.C. § 7001, General rule of validity · Cornell Law School, Legal Information InstituteFür die Zeile Vereinigte Staaten: Einwilligung des Verbrauchers in (c); geprüft am 14.10.2026
  17. 17.15 U.S.C. § 7003, Specific exceptions · Cornell Law School, Legal Information Institute(b)(2): Mitteilungen über das Ende von Kranken- oder Lebensversicherungsleistungen; geprüft am 14.10.2026
  18. 18.ICOBS 4.1A, Means of communication to customers · Financial Conduct Authority HandbookPapier, anderer dauerhafter Datenträger oder Website; geprüft am 14.10.2026
  19. 19.Code des assurances · LégifranceL111-10, L112-2, L112-2-1, L112-3, L112-4; geprüft am 14.10.2026
  20. 20.Ley 50/1980, de Contrato de Seguro · Boletín Oficial del EstadoArtikel 5 und 8, Disposición adicional primera (dauerhafter Datenträger); geprüft am 14.10.2026
  21. 21.Ley sobre el Contrato de Seguro · Cámara de Diputados, MexikoArtikel 19 bis 21 und 25; geprüft am 14.10.2026
  22. 22.Lei nº 15.040, de 9 de dezembro de 2024 · Presidência da República, PlanaltoBrasiliens Versicherungsvertragsgesetz: Artikel 42, 43, 48, 49, 55, in Kraft ein Jahr nach Veröffentlichung (Artikel 134); geprüft am 14.10.2026
FAQ

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Chaindoc und sicheren Dokumenten-Workflows.

Rechtlich ja. Das VVG kennt nur den Versicherungsschein (§ 3); Police ist der Alltagsbegriff für dieselbe Urkunde. Der Versicherer übermittelt sie in Textform, auf Verlangen auch auf Papier. Sie hält den Vertragsinhalt fest und beweist ihn; der Vertrag selbst kommt in der Regel schon vorher zustande.

Verlangen Sie vom Versicherer einen neuen Versicherungsschein (§ 3 Abs. 3 VVG). Die Kosten trägt der Versicherungsnehmer (§ 3 Abs. 5). Abschriften Ihrer Erklärungen gibt es jederzeit auf Anfrage (Abs. 4). Lag der Schein digital vor, suchen Sie vorher im Postfach und im Kundenportal.

Der Versicherungsschein kommt in Textform, meist als PDF per E-Mail oder im Kundenportal, auf Verlangen auf Papier (§ 3 Abs. 1 VVG). Suchen Sie nach dem Absender Ihres Versicherers oder Vermittlers. Fehlt er, fordern Sie ihn an: Solange er nicht zugegangen ist, beginnt auch die Widerrufsfrist nicht.

In der Regel nicht. Maßgeblich ist die Textform nach § 126b BGB: eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger mit Namen des Erklärenden. Zwei Ausnahmen verlangen Schriftform, online also die QES: der Verzicht auf Beratung außerhalb des Fernabsatzes (§ 6 Abs. 3 VVG) und die Einwilligung der versicherten Person nach § 150 Abs. 2 VVG.

Mit dem Vertragsschluss, aber erst, wenn Versicherungsschein, Vertragsbestimmungen samt AVB, Informationen und Widerrufsbelehrung in Textform zugegangen sind (§ 8 Abs. 2 VVG). Die Frist beträgt 14 Tage, in der Lebensversicherung 30 Tage (§ 152 VVG). Den Zugang muss der Versicherer belegen. Fehlt eines der Dokumente oder lässt sich der Zugang nicht nachweisen, beginnt die Frist nicht. Ohne ordnungsgemäße Belehrung erlischt das Recht auch nach zwölf Monaten und 14 Tagen nicht, es bleibt dann unbefristet offen.