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Eine Geheimhaltungsvereinbarung erstellen, die vor Gericht hält

Geheimhaltungsvereinbarung erstellen: einseitig oder gegenseitig, Definition, Laufzeit, GeschGehG und Vertragsstrafe. So wird die NDA vor Gericht tragfähig.

Geheimhaltungsvereinbarung erstellen: Zwei Kollegen geben sich über einen Besprechungstisch hinweg die Hand, dazwischen liegen ein geschlossener grauer Ordner und ein Stift

Geheimhaltungsvereinbarung erstellen: die Kurzfassung

So erstellen Sie eine Geheimhaltungsvereinbarung in einem Atemzug: Entscheiden Sie, wer was offenlegt, schreiben Sie genau auf, welche Informationen vertraulich sind, nennen Sie, was nicht dazugehört, legen Sie fest, wie lange die Pflicht gilt, und lassen Sie unterschreiben, bevor irgendetwas den Besitzer wechselt. Die meiste Arbeit steckt im zweiten Schritt.

Wirksam wird eine NDA nicht durch Länge, sondern durch Genauigkeit. Zwei Seiten, die die Information, den Zweck und die Laufzeit benennen, tragen vor Gericht weiter als zehn Seiten, auf denen «alle Informationen» vertraulich sind. In Deutschland kommt ein zweiter Punkt hinzu: Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt nur, was der Inhaber mit angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen sichert. Die Vereinbarung ist eine dieser Maßnahmen, nicht der ganze Schutz.

Als Ausgangspunkt eignen sich die Geheimhaltungsvereinbarungen aus der Chaindoc-Bibliothek oder Ihr eigener Entwurf. Die Schritte sind dieselben.

NDA, Vertraulichkeitsvereinbarung, Verschwiegenheitserklärung: was ist was

Was ist eine NDA? Die Abkürzung steht für Non-Disclosure Agreement. Im deutschen Alltag heißt dasselbe Instrument Geheimhaltungsvereinbarung oder Vertraulichkeitsvereinbarung, und wenn nur eine Seite unterschreibt, oft Verschwiegenheitserklärung. Gerichte lesen die Klauseln, nicht die Überschrift. Die eigentliche Frage ist deshalb eine andere: Brauchen Sie überhaupt einen eigenen NDA-Vertrag?

Oft nicht. Unterschreiben Sie ohnehin einen Dienst- oder Arbeitsvertrag, reicht eine Vertraulichkeitsklausel darin. Ein eigenständiges Papier lohnt sich, wenn die Gespräche vor dem Hauptvertrag beginnen: bei der Investorenrunde, der Lieferantenanfrage, der Due Diligence beim Unternehmenskauf.

Einseitig oder gegenseitig: wer gibt Informationen preis

Eine einseitige NDA bindet nur die Seite, die Informationen empfängt. Sie ist die Regel, wenn Sie einen Freelancer beauftragen, einen Mitarbeiter einstellen oder einem Hersteller einen Prototyp zeigen: Sie legen offen, die anderen schweigen.

Eine gegenseitige NDA bindet beide Seiten, weil beide Sensibles preisgeben, etwa zwei Unternehmen, die ein Joint Venture prüfen, oder Käufer und Verkäufer, die vor einem Unternehmenskauf Zahlen tauschen. Eine mehrseitige NDA regelt dasselbe für drei oder mehr Beteiligte in einem Dokument.

Einseitig oder gegenseitig ist keine Frage der Höflichkeit. Bieten Sie eine einseitige NDA an, obwohl auch die andere Seite Unterlagen zeigen wird, kommt eine gegenseitige Fassung zurück, samt Änderungsrunde. Unterschreiben Sie «der Fairness halber» eine gegenseitige, obwohl nur Sie offenlegen, übernehmen Sie Pflichten ohne Gegenleistung.

Ein praktischer Test: Listen Sie auf, was jede Seite der anderen im ersten Monat zeigt. Bleibt eine Liste leer, nehmen Sie die einseitige Form. Auftragnehmer bringen eigene Besonderheiten mit, etwa Quellcode und Unterauftragnehmer. Sie behandelt unser Leitfaden zur Geheimhaltung bei Software-Auftragnehmern.

Eine Geheimhaltungsvereinbarung erstellen in sieben Schritten

In dieser Reihenfolge arbeitet, wer sorgfältig entwirft. Wer vor Schritt 1 zu den Klauseln springt, schützt am Ende die falschen Dinge.

  1. Den Zweck aufschreiben

    Ein Satz dazu, warum Informationen den Besitzer wechseln. «Zur Prüfung eines möglichen Liefervertrags über Bauteil X» ist ein Zweck. Die Zweckklausel begrenzt später, was der Empfänger mit Ihren Informationen tun darf. Ist sie hier schwammig, wird alles Weitere schwach.

  2. Parteien und Richtung benennen

    Vollständige Firma mit Rechtsform, Sitz und Registernummer, dazu die Frage, ob verbundene Unternehmen, Berater oder Unterauftragnehmer etwas erhalten dürfen. Entscheiden Sie sich für einseitig oder gegenseitig.

  3. Vertrauliche Informationen definieren

    Listen Sie Kategorien auf (Preise, Quellcode, Kundenlisten, Produktpläne) und legen Sie fest, wie Offenlegungen gekennzeichnet werden. Mündliche Mitteilungen zählen, wenn sie innerhalb einer bestimmten Zahl von Tagen schriftlich bestätigt werden. Eine Auffangformel nach der Liste ist in Ordnung, eine Auffangformel statt der Liste nicht.

  4. Ausnahmen festlegen

    Öffentlich bekannte Informationen, was der Empfänger schon kannte oder selbst entwickelt, und was er von jemandem erhält, der es weitergeben darf. Danach kommen die Offenlegungen, die das Gesetz schützt.

  5. Die zwei Uhren stellen

    Wie lange tauschen die Parteien Informationen aus, und wie lange gilt die Vertraulichkeitspflicht danach? Geschäftsgeheimnisse können geschützt bleiben, solange sie geheim sind.

  6. Das Ende und den Verstoß regeln

    Rückgabe oder Vernichtung der Kopien, bei Sensiblem mit schriftlicher Bestätigung. Rechtsfolgen, auch Unterlassung. Anwendbares Recht und das Gericht oder Schiedsgericht, das entscheidet. Zur Vertragsstrafe ein ehrlicher Hinweis: Eine, die nach Strafe aussieht, lädt zur Kontrolle ein, und in vorformulierten Bedingungen kann sie nach § 307 BGB ganz entfallen.

  7. Unterschreiben, bevor etwas geteilt wird

    Warten Sie, bis alle Parteien unterschrieben haben, und öffnen Sie erst dann den Datenraum. Bewahren Sie die unterschriebene Datei und das Signaturprotokoll zusammen auf.

Eine Offenlegung nehmen Sie nicht zurück

Den einen Fehler können Sie später nicht reparieren: vertrauliches Material zeigen, bevor die NDA unterschrieben ist. Eine Unterschrift nächste Woche erfasst nicht automatisch, was Sie heute gemailt haben. Sie erfasst, was der Text erfasst. Haben die Gespräche schon begonnen, schreiben Sie das frühere Datum hinein («Informationen, die seit dem 1. September 2026 offengelegt wurden») und lassen diese Fassung unterschreiben. Weigert sich die Gegenseite, behandeln Sie das Gesendete als öffentlich. Es gefährdet auch den Schutz als Geschäftsgeheimnis, denn der setzt angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen voraus.

Die Klauseln einer Geheimhaltungsvereinbarung

Wer eine Geheimhaltungsvereinbarung erstellt, muss vor allem zwei Klauseln beherrschen, auf denen das Gewicht liegt: die Definition der vertraulichen Informationen und die Ausnahmen. Die Tabelle zeigt, was eine tragfähige NDA enthalten muss und welcher Entwurfsfehler in jeder Klausel am häufigsten vorkommt.

Die Definition entscheidet die meisten Streitigkeiten

Schreiben Sie sie als Kategorien mit Beispielen, nicht als Stimmung. «Finanzielle Informationen, darunter Preise, Margen und Prognosen» lässt sich durchsetzen. «Jegliche Informationen jeder Art» lädt zu dem Einwand ein, die Klausel sei zu weit, um etwas zu bedeuten, und in Deutschland geht dieser Einwand mitunter durch, wie das BAG-Urteil weiter unten zeigt. Ehrlich gesagt: Wenn Sie nicht beschreiben können, was Sie schützen wollen, brauchen Sie wahrscheinlich noch keine NDA.

Klauseln der Geheimhaltungsvereinbarung: was drinstehen muss

KlauselWas drinstehen mussDer übliche Entwurfsfehler

Parteien

Vollständige Firma mit Rechtsform und Sitz; wer sonst Informationen erhalten darf

Ein Handelsname statt der Gesellschaft

Zweck

Ein konkreter Grund für die Offenlegung

«Geschäftliche Zwecke», was fast jede Nutzung erlaubt

Definition vertraulicher Informationen

Kategorien mit Beispielen; Kennzeichnung; mündliche Mitteilungen, schriftlich bestätigt

«Alle Informationen» ohne Liste

Ausnahmen

Öffentlich bekannt, schon bekannt, selbst entwickelt, rechtmäßig von Dritten erhalten

Weggelassen, sodass die Klausel unangemessen weit wirkt

Zulässige und geschützte Offenlegungen

Gerichte, Behörden, Rechtsberater; Vorbehalt für Meldungen nach HinSchG und § 5 GeschGehG

Ein Verbot, sich an irgendeine Behörde zu wenden, soweit unwirksam

Pflichten

Nutzung nur zum Zweck; Zugriff nach Bedarf; mindestens die Sorgfalt wie für eigene Geheimnisse; Reverse Engineering ausdrücklich regeln

Kein Sorgfaltsmaßstab; Schweigen zum Rückbau, den § 3 GeschGehG ohne vertragliche Pflicht erlaubt

Laufzeit

Offenlegungszeitraum und Vertraulichkeitszeitraum; Geschäftsgeheimnisse gesondert

Eine unbegrenzte Frist für alles

Rückgabe oder Vernichtung

Kopien, Backups und Notizen bei Ende der Gespräche; schriftliche Bestätigung

Backups und Notizen vergessen

Rechtsfolgen, Recht und Gericht

Unterlassung, Schadensersatz, Vertragsstrafe mit Augenmaß, anwendbares Recht, Gerichtsstand oder Schiedsgericht

Kein anwendbares Recht bei einer grenzüberschreitenden NDA

Geheimhaltungsvereinbarung erstellen: Eine Frau bearbeitet am Schreibtisch mit einem Stift die Klauseln einer ausgedruckten NDA

Lesen Sie die Definitionsklausel zweimal. Sie entscheidet mehr NDA-Streitigkeiten als alle anderen Klauseln zusammen.

Was GeschGehG und HinSchG in die Vereinbarung schreiben

Hier steht, was Mustertexte gern weglassen. Eine Geheimhaltungsvereinbarung darf bestimmte Meldungen nicht verhindern, und eine Klausel, die es versucht, hält insoweit nicht. In Deutschland ziehen zwei Gesetze die Grenze.

Das Geschäftsgeheimnisgesetz: Schutz nur mit Maßnahmen

Ein Geschäftsgeheimnis ist nach § 2 Nr. 1 GeschGehG eine Information, die nicht allgemein bekannt ist, wirtschaftlichen Wert hat und Gegenstand von «den Umständen nach angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen» ist. Die NDA gehört zu diesen Maßnahmen, ersetzt aber keine Zugriffsbeschränkung. Zwei Regeln sollten im Text auftauchen:

  • Reverse Engineering: Wer ein rechtmäßig erworbenes Produkt untersucht oder zerlegt, handelt erlaubt, sofern keine Pflicht zur Beschränkung besteht (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 GeschGehG). Wollen Sie das ausschließen, schreiben Sie es hinein.
  • Ausnahmen für Meldungen: § 5 GeschGehG nimmt die Offenlegung zur Aufdeckung einer rechtswidrigen Handlung oder eines Fehlverhaltens aus den Verboten aus, wenn sie das allgemeine öffentliche Interesse schützen kann. Beschäftigte dürfen sich außerdem an die Arbeitnehmervertretung wenden, soweit nötig.

Das Hinweisgeberschutzgesetz: Einschränkungen sind unwirksam

§ 39 HinSchG erklärt Vereinbarungen für unwirksam, die die Rechte hinweisgebender Personen nach dem Gesetz einschränken. Eine NDA, die Beschäftigten geschützte Meldungen untersagt, ist insoweit wertlos. Das Gesetz schützt Meldungen an interne und externe Meldestellen und unter engen Voraussetzungen auch die öffentliche Offenlegung. Die NDA muss das nicht ausbuchstabieren, darf es aber nicht verbauen.

Was Sie bei Beschäftigten hineinschreiben

Ein Absatz zu zulässigen Offenlegungen deckt alles ab. Als Gerüst taugt: «Diese Vereinbarung beschränkt nicht Meldungen, die das Hinweisgeberschutzgesetz schützt, Aussagen gegenüber Gerichten und Behörden, die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder die Offenlegung gegenüber der Arbeitnehmervertretung, soweit das Gesetz sie erlaubt.» Weglassen spart nichts und bringt ein Gericht dazu, den Rest der Klausel misstrauisch zu lesen.

Sitzen Beschäftigte oder freie Mitarbeiter in den USA, verlangt 18 U.S.C. § 1833(b) in Verträgen über Geschäftsgeheimnisse einen Hinweis auf die Immunität für vertrauliche Meldungen an Behörden oder Anwälte.

Was ein fehlender Vorbehalt kostet

Der Vorbehalt ändert die Rechtslage nicht, denn § 39 HinSchG macht eine Klausel auch ohne ihn unwirksam, soweit sie geschützte Meldungen einschränkt. Er ändert, wie ein Gericht Ihren Text liest. Eine zu weite Klausel in vorformulierten Bedingungen kürzt es in der Regel nicht auf das zulässige Maß zurück, und die salvatorische Klausel hilft nur begrenzt: Das Bundesarbeitsgericht hat 2024 eine Klausel verworfen, die alles Interne für immer verbot. Ein klarer Absatz mit Ausnahmen kostet eine Zeile. Die unklare Klausel kann den Schutz kosten, den Sie eigentlich wollten.

Wie lange gilt eine Geheimhaltungsvereinbarung?

So lange, wie sie es sagt, deshalb sollte sie zwei Dinge festlegen: den Offenlegungszeitraum (wie lange die Parteien Informationen austauschen, oft die Dauer der Gespräche) und den Vertraulichkeitszeitraum (wie lange der Empfänger danach schweigen muss).

Zwei bis fünf Jahre nach der Offenlegung sind für gewöhnliche Geschäftsinformationen üblich; eine gesetzliche Zahl gibt es nicht. Geschäftsgeheimnisse funktionieren anders. Ihr gesetzlicher Schutz dauert, solange sie geheim bleiben, also sollte die NDA sie ebenso lange schützen und nicht bis zu einem Kalenderdatum.

Schlecht funktioniert eine einzige unbegrenzte Frist für alles. Das Bundesarbeitsgericht hat eine Arbeitnehmerklausel verworfen, die Schweigen über «alle internen Vorgänge» ohne zeitliche Grenze verlangte, weil sie dem Beschäftigten den nächsten Job erschwert. Die Fristen in der Tabelle sind Marktpraxis, keine gesetzlichen Grenzen.

Wie lange eine NDA gilt, nach Art der Information

InformationÜbliche VertraulichkeitsdauerWarum

Deal- oder Pitch-Unterlagen für Investor oder Käufer

1 bis 3 Jahre nach der Offenlegung

Sie veralten, sobald der Deal abgeschlossen ist oder platzt

Geschäftskonditionen (Preise, Lieferbedingungen, Margen)

2 bis 5 Jahre

Für einen Wettbewerber über einige Preisrunden nützlich

Produktpläne und unveröffentlichte Funktionen

Bis zum Launch oder 2 bis 3 Jahre

Der Launch macht sie ohnehin öffentlich

Technisches Know-how und Quellcode

3 bis 5 Jahre oder solange es ein Geschäftsgeheimnis ist

Der Wert hält an, solange niemand sonst es hat

Geschäftsgeheimnisse (Rezepturen, Verfahren, Algorithmen)

Solange es ein Geschäftsgeheimnis bleibt

Der gesetzliche Schutz hängt an der Geheimhaltung, nicht an einem Datum

Personenbezogene Daten, die unter der NDA übermittelt werden

Bis zur Rückgabe oder Löschung, mit Bestätigung

Die DSGVO setzt eigene Grenzen

Mit einer Vorlage starten, mit eigenen Klauseln abschließen

In der Vorlagenbibliothek von Chaindoc liegen gegenseitige und einseitige NDAs, die Sie an einem Ort bearbeiten, versenden und unterschreiben. Der Free-Tarif enthält 5 Signaturen im Monat und braucht keine Karte.

Vertragsvorlagen ansehen

Ist eine NDA wirksam? Wo Gerichte sie kippen

Grundsätzlich ja. Eine sauber formulierte NDA ist ein gewöhnlicher Vertrag, formfrei und durchsetzbar, auf Unterlassung wie auf Schadensersatz. Probleme beginnen, wenn sie alles abdecken will.

Das klarste jüngere Beispiel liefert das Bundesarbeitsgericht. Im Oktober 2024 prüfte es eine Klausel, die einen Arbeitnehmer über das Vertragsende hinaus zeitlich unbegrenzt zur Verschwiegenheit über alle internen Vorgänge verpflichtete (BAG, 8 AZR 172/23). Das Gericht hielt sie nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB für unwirksam: Sie wirkte wie ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, nur ohne die Karenzentschädigung, die §§ 74 ff. HGB dafür verlangen. Dann ging es weiter. Auch der Unterlassungsanspruch des Arbeitgebers nach dem Geschäftsgeheimnisgesetz scheiterte, weil die Daten kein Geschäftsgeheimnis waren: Der Arbeitgeber hatte angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen nicht ausreichend dargelegt.

Dieser zweite Punkt gilt weit über Deutschland hinaus. Die EU-Richtlinie 2016/943 verlangt «angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen» (Art. 2 Nr. 1 Buchst. c), das US-Recht «reasonable measures». Die NDA ist eine dieser Maßnahmen, nicht alle. Liegen die Dateien in einem Ordner, den jeder im Unternehmen öffnen kann, trägt die Unterschrift den Fall nicht allein.

Eine Besonderheit gibt es bei der Vertragsstrafe. Unter Kaufleuten kann das Gericht eine überhöhte Strafe nicht nach § 343 BGB herabsetzen (§ 348 HGB). Steht die Klausel in vorformulierten Bedingungen, prüft es sie stattdessen nach § 307 BGB, auch gegenüber Unternehmen (§ 310 Abs. 1 BGB), und eine unangemessene Strafe kann dann insgesamt entfallen. Wählen Sie deshalb einen Betrag, den Sie begründen können, statt einer Summe, die abschrecken soll.

Ist eine NDA also wirksam? Die schmalen sind es, vor allem dann, wenn Zugriffsbeschränkungen, die Sie einem Gericht zeigen können, das Papier stützen.

Geheimhaltungsvereinbarung aus einer Word-, Google-Docs- oder DocuSign-Vorlage

Die meisten, die herausfinden wollen, wie man eine NDA aufsetzt, starten mit einer Vorlage, und das ist in Ordnung. Dateien für Word und Google Docs sind leicht zu finden, und DocuSign bietet eine kostenlose NDA-Vorlage, die Sie nach dem Anlegen eines Kontos im eigenen Dienst ausfüllen und unterschreiben. Einen vollständigen Entwurf, Zeile für Zeile erklärt, finden Sie in unserer Klausel-für-Klausel-Vorlage.

Woher der Text auch stammt, ändern Sie vor der Unterschrift:

  • die Parteien und den Zweck, die keine Vorlage kennen kann
  • die Definition, umgeschrieben in Ihre eigenen Kategorien
  • die Laufzeit, aufgeteilt in die zwei Uhren
  • das anwendbare Recht und den Gerichtsstand, die meist dort liegen, wo der Verfasser der Vorlage sitzt; viele kostenlose Texte sind englisch und kennen weder GeschGehG noch AGB-Recht
  • den Absatz zu zulässigen Offenlegungen, der in vielen kostenlosen Vorlagen noch fehlt

Eine Vorlage in Google Docs oder Word reist außerdem per E-Mail als bearbeitbare Datei. Wandeln Sie den endgültigen Text vor der Unterschrift in ein PDF um, damit beide Seiten dieselbe Fassung unterschreiben.

NDA online unterschreiben und den Nachweis sichern

Eine NDA braucht keine besondere Form, und eine elektronische Signatur genügt. Nach Art. 25 Abs. 1 der eIDAS-Verordnung darf einer elektronischen Signatur nicht allein deshalb die Rechtswirkung abgesprochen werden, weil sie elektronisch ist. Einen Notar oder Zeugen verlangt niemand.

Die Unterschrift selbst wird selten bestritten. Die Fassung wird es: Welcher Text wurde unterschrieben, und hat er sich danach geändert? Wie Sie eine NDA unterschreiben lassen, zählt deshalb mehr als jeder Klick. Bewahren Sie zusammen auf:

  1. 1.
    das endgültige PDF genau so, wie es unterschrieben wurde
  2. 2.
    das Signaturprotokoll (wer hat wann von welcher E-Mail-Adresse unterschrieben)
  3. 3.
    einen Weg, zu belegen, dass die Datei sich seither nicht verändert hat

Wenn Sie die Vereinbarung zur E-Signatur senden, berechnet der Chaindoc-Server beim Hochladen den Hash der Datei, schreibt beim Veröffentlichen den Versions-Hash des Dokuments auf eine Blockchain und hält nach Abschluss den Nachweis jedes Unterzeichners fest. Bei einem PDF mit digitaler Signatur berechnet der Verifizierungsdienst von Chaindoc den Dokument-Hash neu und vergleicht ihn mit dem in der Signatur versiegelten. Das erledigt den Einwand «wurde nachträglich geändert» schnell.

Bei einem Unternehmenskauf oder einem Lizenzgeschäft kommt eine Identitätsprüfung des Unterzeichners hinzu. Für eine gewöhnliche Lieferanten-NDA genügt eine per E-Mail bestätigte Signatur.

Geheimhaltungsvereinbarung verwalten: Fristen und Kopien im Blick

Eine unterschriebene NDA hilft nur, wenn man sie im Ernstfall findet. Halten Sie je Vereinbarung vier Dinge fest, in einer Tabelle oder in einer Software für die NDA-Verwaltung:

  • die Gegenpartei und den Zweck
  • wann Offenlegungs- und Vertraulichkeitszeitraum enden
  • wer auf Ihrer Seite was erhalten hat
  • ob die Bestätigung über Rückgabe oder Vernichtung eingegangen ist

Die Vertragsverwaltung in Chaindoc speichert jede unterschriebene NDA mit ihrem Signaturprotokoll; über Titel, Beschreibung und Metadaten lässt sie sich durchsuchen. Tragen Sie beide Enddaten in die Beschreibung ein.

Geheimhaltungsvereinbarung: letzte Prüfung vor dem Versand

Lesen Sie den Entwurf noch einmal so, wie es die Gegenseite täte, und suchen Sie einen Ausweg:

  • Die Definition sagt irgendwo noch «alle Informationen», oder die Liste passt nicht zu dem, was Sie zeigen werden.
  • Keine Ausnahmen, oder Ausnahmen, die die Regel auffressen («Informationen, die der Empfänger für öffentlich hält»).
  • Eine Frist für alles, Geschäftsgeheimnisse eingeschlossen.
  • Kein Absatz zu zulässigen Offenlegungen und, bei US-Beschäftigten, kein Hinweis nach dem DTSA.
  • Eine Vertragsstrafe, die niemand begründen kann.
  • Kein anwendbares Recht bei einem grenzüberschreitenden Geschäft.
  • Die Gespräche laufen seit Wochen, und das Wirksamkeitsdatum reicht nicht zurück.

Kommt es zum Verstoß, müssen Sie die Vereinbarung, den Verstoß und den Schaden beweisen. Unser Leitfaden zu den Voraussetzungen einer Klage wegen Vertragsbruch geht das durch. Das ist der eigentliche Test, wenn Sie eine Geheimhaltungsvereinbarung erstellen: nicht, ob sie gründlich aussieht, sondern ob jede Klausel einem Gericht etwas Konkretes zum Durchsetzen gibt.

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung

Dieser Leitfaden erklärt, wie das deutsche und das europäische Recht NDAs behandeln, mit einem Seitenblick auf das US-Recht. Er ist keine Beratung zu Ihrer Vereinbarung. Die Regeln unterscheiden sich je nach Land, und Arbeitnehmer-NDAs unterliegen vielerorts zusätzlichen Grenzen. Lassen Sie bei einem Unternehmenskauf, einem Lizenzgeschäft oder allem, worüber Sie klagen würden, den endgültigen Text von einer Anwältin oder einem Anwalt im maßgeblichen Recht prüfen.

Für diesen Leitfaden geprüfte Quellen

Wir haben jede Seite am 14. Oktober 2026 gelesen. Gesetze verlinken auf den amtlichen Text bei gesetze-im-internet.de oder auf das Legal Information Institute der Cornell Law School.

  1. 1.§ 2 GeschGehG: Begriffsbestimmungen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deGeschäftsgeheimnis: nicht allgemein bekannt, wirtschaftlicher Wert, angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; geprüft 2026-10-14
  2. 2.§ 3 GeschGehG: Erlaubte Handlungen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deBeobachten, Untersuchen, Rückbauen und Testen eines rechtmäßig erworbenen Produkts, sofern keine Pflicht zur Beschränkung besteht; geprüft 2026-10-14
  3. 3.§ 5 GeschGehG: Ausnahmen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deAufdeckung rechtswidriger Handlungen oder von Fehlverhalten im öffentlichen Interesse; Offenlegung gegenüber der Arbeitnehmervertretung; geprüft 2026-10-14
  4. 4.§ 39 HinSchG: Verbot abweichender Vereinbarungen · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deVereinbarungen, die Rechte hinweisgebender Personen einschränken, sind unwirksam; geprüft 2026-10-14
  5. 5.§ 307 BGB: Inhaltskontrolle · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deUnangemessene Benachteiligung in vorformulierten Bedingungen, auch bei fehlender Klarheit und Verständlichkeit; geprüft 2026-10-14
  6. 6.§ 348 HGB: Herabsetzung der Vertragsstrafe · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deEine von einem Kaufmann im Betrieb seines Handelsgewerbes versprochene Vertragsstrafe kann nicht nach § 343 BGB herabgesetzt werden; geprüft 2026-10-14
  7. 7.§ 138 BGB: Sittenwidriges Rechtsgeschäft · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deEin Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig; geprüft 2026-10-14
  8. 8.§ 74 HGB: Nachvertragliches Wettbewerbsverbot · Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.deEin Wettbewerbsverbot ist nur verbindlich, wenn der Arbeitgeber eine Entschädigung von mindestens der Hälfte der zuletzt bezogenen Leistungen zusagt; geprüft 2026-10-14
  9. 9.Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17. Oktober 2024, 8 AZR 172/23 · BundesarbeitsgerichtZeitlich unbegrenzte Catch-all-Verschwiegenheitsklausel im Arbeitsvertrag unwirksam; Geheimnisschutzanspruch scheitert ohne dargelegte Geheimhaltungsmaßnahmen; geprüft 2026-10-14
  10. 10.Richtlinie (EU) 2016/943 über den Schutz von Geschäftsgeheimnissen · EUR-LexArt. 2 Nr. 1: angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; Art. 5 Buchst. b: Ausnahme für die Aufdeckung von Fehlverhalten im öffentlichen Interesse; geprüft 2026-10-14
  11. 11.Verordnung (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS), Artikel 25 · EUR-LexEiner elektronischen Signatur darf nicht allein deshalb die Rechtswirkung abgesprochen werden, weil sie elektronisch ist; geprüft 2026-10-14
  12. 12.18 U.S.C. § 1833: Ausnahmen von den Verboten (Whistleblower-Immunität und Hinweis) · Legal Information Institute, Cornell Law SchoolHinweis in Verträgen mit Beschäftigten über Geschäftsgeheimnisse, Auftragnehmer eingeschlossen; ohne Hinweis kein Strafschadensersatz und keine Anwaltskosten gegen diese Person; geprüft 2026-10-14
FAQ

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Chaindoc und sicheren Dokumenten-Workflows.

Sie können sie selbst schreiben, ein Anwalt ist nicht vorgeschrieben. Legen Sie den Zweck fest, benennen Sie die Parteien mit Rechtsform, definieren Sie die vertraulichen Informationen in Kategorien, führen Sie die Ausnahmen auf, trennen Sie Offenlegungs- und Vertraulichkeitszeitraum und lassen Sie unterschreiben, bevor etwas geteilt wird. Für eine gewöhnliche Lieferanten- oder Freelancer-NDA reicht oft eine sorgfältig angepasste Vorlage. Für einen Unternehmenskauf oder ein Lizenzgeschäft lohnt sich die Prüfung durch eine Anwältin.

So lange, wie ihr Text es bestimmt. Die meisten NDAs schützen gewöhnliche Geschäftsinformationen zwei bis fünf Jahre nach der Offenlegung und Geschäftsgeheimnisse, solange sie geheim bleiben. Eine NDA ganz ohne Frist wird von Land zu Land unterschiedlich ausgelegt, ein guter Grund, eine zu vereinbaren.

Eine NDA kann nicht verhindern, dass jemand eine Straftat oder einen Rechtsverstoß bei einer Behörde meldet: Nach § 39 HinSchG sind Vereinbarungen unwirksam, die die Rechte hinweisgebender Personen einschränken. Dazu kommen Klauseln, die so weit reichen, dass sie ein verstecktes Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung sind, wie die unbegrenzte Catch-all-Klausel, die das Bundesarbeitsgericht 2024 verworfen hat. Sittenwidrige Regelungen sind nach § 138 BGB nichtig. Der Rest der Vereinbarung überlebt meist, wenn sie eine salvatorische Klausel enthält und keine vorformulierten Bedingungen betroffen sind.

Ja. Nach Art. 25 der eIDAS-Verordnung darf ein Gericht eine Signatur nicht allein deshalb ablehnen, weil sie elektronisch ist, und eine Form schreibt das deutsche Recht für die NDA ohnehin nicht vor. Bewahren Sie das unterschriebene PDF mit seinem Signaturprotokoll auf, damit Sie zeigen können, wer welche Fassung unterschrieben hat.

Die offenlegende Seite kann auf Unterlassung und Schadensersatz klagen und, wenn ein Geschäftsgeheimnis betroffen ist, Ansprüche nach dem Geschäftsgeheimnisgesetz geltend machen. Die Unterlassung ist oft das wirksamste Mittel, weil sie schnell wirkt. Dazu kommt eine vereinbarte Vertragsstrafe, wenn sie angemessen ist. Die meisten Verstöße enden früher, mit einer Abmahnung, und die wirkt stärker, wenn Sie die unterschriebene NDA samt Signaturprotokoll beilegen können.