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Scheinselbstständigkeit 2026: Kriterien, Statusfeststellung und die Folgen

Scheinselbständigkeit erkennen: die Kriterien aus § 7 SGB IV und § 611a BGB, das Statusfeststellungsverfahren nach § 7a und was eine Nachforderung kostet.

Scheinselbstständigkeit 2026: Kriterien, Statusfeststellung und die Folgen

Scheinselbstständigkeit: die Antwort in 60 Sekunden

Scheinselbstständig ist, wer als Selbstständiger auftritt und Rechnungen schreibt, die Arbeit aber wie ein Arbeitnehmer leistet. Er arbeitet nach Weisungen und ist in eine fremde Arbeitsorganisation eingegliedert. Genau diese beiden Merkmale nennt § 7 Abs. 1 SGB IV.

Die Frage, die fast alle hierher führt, ist konkret. Bin ich scheinselbstständig, oder ist mein Auftragnehmer es? Beantwortet wird sie nicht durch den Vertrag, sondern durch die gelebte Praxis.

Es gibt eine zweite Verwechslung, und sie ist mindestens so verbreitet. Arbeitnehmerähnlich und scheinselbstständig sind zwei verschiedene Dinge. Das eine löst Rentenversicherungspflicht aus und bleibt echte Selbstständigkeit. Das andere ist ein Beschäftigungsverhältnis, das nur anders etikettiert wurde.

In diesem Leitfaden: was § 7 SGB IV und § 611a BGB verlangen, welche Anhaltspunkte Prüfer wirklich gewichten, wie das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung Bund abläuft, was eine Nachforderung kostet und welche Unterlagen eine Betriebsprüfung übersteht.

Freier Mitarbeiter und Angestellter im Vergleich: Rechnung und Lohnabrechnung auf einem Schreibtisch mit Vertragsunterlagen

Freier Mitarbeiter oder Beschäftigter: Die Einordnung entscheidet über Beiträge, Kündigungsschutz und die Verträge, die beide Seiten unterschreiben.

Selbstständig oder beschäftigt: der schnelle Vergleich

Bevor es zu den Normen geht, hilft die Gegenüberstellung. Die Tabelle nennt zehn Punkte, die in Betriebsprüfungen tatsächlich abgefragt werden.

Lesen Sie sie als Risikoeinschätzung, nicht als Checkliste. Die meisten Streitfälle drehen sich um zwei oder drei Zeilen, und keine einzelne entscheidet für sich.

Freier Mitarbeiter und Beschäftigter im Vergleich

MerkmalSelbstständige TätigkeitBeschäftigung

Abrechnung

Rechnung des Auftragnehmers, oft mit Umsatzsteuer

Lohnabrechnung mit Lohnsteuer und Beitragsabzug

Zahlungsrhythmus

Nach Projekt, Meilenstein oder Rechnung

Feste monatliche Vergütung

Arbeitszeit

Der Auftragnehmer legt sie selbst fest

Der Arbeitgeber legt sie fest, mit Aufzeichnungspflicht

Arbeitsmittel

Eigene Geräte, eigene Software, eigenes Fahrzeug

Der Betrieb stellt sie

Sozialversicherung

Grundsätzlich keine Pflicht, mit Ausnahmen nach § 2 SGB VI

Volle Versicherungspflicht, Beiträge je zur Hälfte

Beendigung

Nach Vertrag und vereinbarter Frist

Kündigung mit Kündigungsschutz und Fristen

Urheberrechte

Beim Auftragnehmer, solange nichts eingeräumt wurde

Nutzungsrechte gehen aus dem Arbeitsverhältnis über

Übliche Unterlagen

Dienst- oder Werkvertrag, NDA, Rechteeinräumung, Gewerbeanmeldung

Arbeitsvertrag, Sozialversicherungsausweis, Steuer-ID, Unterweisungen

Unterschriftenlauf

Einzelvertrag oder Paket aus Vorlagen

Onboarding-Paket, meist über ein Personalsystem

Risiko der Statusfeststellung

Hoch, wenn Weisungen und Eingliederung vorliegen

Nicht einschlägig

Die umstrittenste Zeile

Die Nutzungsrechte sind der Punkt, an dem freie Mitarbeit am häufigsten schiefgeht. Ohne ausdrückliche Rechteeinräumung bleiben Urheberrechte beim Auftragnehmer, auch wenn Sie die Rechnung vollständig bezahlt haben. Bei Software, Design und Text ist das die größte Lücke in den üblichen Vertragsvorlagen.

Was ist Scheinselbstständigkeit?

Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn jemand formal als Selbstständiger beauftragt wird, tatsächlich aber die Merkmale einer Beschäftigung erfüllt. Der Vertrag sagt Werkvertrag oder Dienstvertrag. Die Wirklichkeit sagt Arbeitsverhältnis.

Das ist kein Etikettenstreit. Der Auftragnehmer zahlt seine Krankenversicherung selbst, sorgt allein fürs Alter vor, hat keinen Kündigungsschutz, keinen bezahlten Urlaub und keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Was der Auftraggeber spart, trägt die andere Seite.

Das Offensichtliche gehört dazu gesagt. Die große Mehrheit der Selbstständigen ist genau das, was sie zu sein vorgibt. Wer mehrere Auftraggeber hat, seine Preise setzt, seine Zeit einteilt und sein unternehmerisches Risiko trägt, ist selbstständig. Ein Problem entsteht erst, wenn Vertragsform und Arbeitsalltag in verschiedene Richtungen zeigen.

Betroffen sind längst nicht nur die Branchen, die man vermutet. Neben Bau, Logistik und Pflege trifft es regelmäßig IT-Dienstleister, Agenturen, Redaktionen, Fitness- und Kosmetikstudios sowie Beratungen, die dieselbe Fachkraft über Jahre hinweg in Vollauslastung binden, ohne sie jemals anzustellen.

Ein Wort noch zur Schreibweise. Scheinselbstständigkeit und Scheinselbständigkeit meinen dasselbe, beide Formen sind zulässig, und Behörden verwenden beide.

Die Kriterien: § 7 SGB IV und § 611a BGB

Zwei Normen tragen die ganze Abgrenzung. Eine steht im Sozialrecht, die andere im Zivilrecht, und sie sagen im Kern dasselbe.

§ 7 Abs. 1 SGB IV: "Beschäftigung ist die nichtselbständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers."

Zwei Anhaltspunkte also: Weisungen und Eingliederung. Mehr nennt das Gesetz nicht. Alles Weitere ist Auslegung.

Das Arbeitsrecht wurde 2017 nachgezogen. § 611a Abs. 1 BGB definiert den Arbeitsvertrag seither ausdrücklich: "Durch den Arbeitsvertrag wird der Arbeitnehmer im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet. Das Weisungsrecht kann Inhalt, Durchführung, Zeit und Ort der Tätigkeit betreffen."

Der entscheidende Satz steht am Ende der Vorschrift. "Zeigt die tatsächliche Durchführung des Vertragsverhältnisses, dass es sich um ein Arbeitsverhältnis handelt, kommt es auf die Bezeichnung im Vertrag nicht an."

Ebenso wichtig ist der Satz davor: "Für die Feststellung, ob ein Arbeitsvertrag vorliegt, ist eine Gesamtbetrachtung aller Umstände vorzunehmen." Kein einzelnes Merkmal kippt die Einordnung. Es zählt das Gesamtbild.

Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Ein und dieselbe Tätigkeit kann bei zwei Auftraggebern unterschiedlich einzuordnen sein, weil die Umstände der Ausführung auseinanderfallen, und derselbe Berater kann im einen Mandat selbstständig und im anderen beschäftigt sein, ohne dass sich an seinem Beruf oder seiner Qualifikation irgendetwas geändert hätte.

Ein Sonderfall verdient Erwähnung. Beim Geschäftsführer einer GmbH, der zugleich Gesellschafter ist, richtet sich die Beurteilung nach seiner Rechtsmacht in der Gesellschafterversammlung, also danach, ob er ihm nicht genehme Weisungen verhindern kann. § 7a Abs. 1 Satz 2 SGB IV verpflichtet die Einzugsstelle sogar, in diesen Fällen von sich aus ein Statusverfahren einzuleiten. Dasselbe gilt für Ehegatten, Lebenspartner und Abkömmlinge des Arbeitgebers.

Die Anhaltspunkte, die Prüfer daraus ableiten, stehen in der nächsten Tabelle.

Anhaltspunkte in der Gesamtbetrachtung

AnhaltspunktSpricht für BeschäftigungSpricht für Selbstständigkeit

Weisungen

Vorgaben zu Inhalt, Zeit, Ort und Art der Ausführung

Nur das Ergebnis wird vereinbart, der Weg bleibt frei

Eingliederung

Fester Arbeitsplatz, Dienstplan, Teilnahme an internen Besprechungen

Arbeit von außen, Kontakt als Lieferant

Betriebsmittel

Der Auftraggeber stellt Hardware, Software und Zugänge

Der Auftragnehmer bringt seine eigenen mit

Unternehmerisches Risiko

Vergütung fließt unabhängig vom Erfolg

Nachbesserung auf eigene Kosten, Haftung für das Werk

Auftraggeberzahl

Faktisch nur einer, oft mit Wettbewerbsverbot

Mehrere Auftraggeber oder echte Freiheit, weitere zu gewinnen

Marktauftritt

Kein eigener Auftritt, Firmen-E-Mail des Auftraggebers

Eigene Firmierung, Werbung, Visitenkarte, Website

Höchstpersönlichkeit

Die Leistung muss persönlich erbracht werden

Vertretung und Einsatz eigener Mitarbeiter sind möglich

Vergütungsform

Feste Monatssumme, sehr nah an einem Gehalt

Angebot je Projekt, Stundensätze frei verhandelt

Die Vertragsbezeichnung entscheidet nicht

Eine Klausel wie "die Parteien sind sich einig, dass kein Arbeitsverhältnis begründet wird" hat kaum Gewicht. § 611a Abs. 1 Satz 6 BGB stellt ausdrücklich auf die tatsächliche Durchführung ab. In der Prüfung stehen dem Vertrag dann E-Mails mit Anweisungen gegenüber, Dienstpläne, Zugangskarten, Kalendereinladungen und Aussagen von Kollegen.

Das Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV

Für Zweifelsfälle gibt es ein eigenes Verfahren, und es ist erstaunlich wenig bekannt. Nach § 7a Abs. 1 SGB IV können "die Beteiligten bei der Deutschen Rentenversicherung Bund schriftlich oder elektronisch eine Entscheidung beantragen, ob bei einem Auftragsverhältnis eine Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit vorliegt".

Beide Seiten dürfen den Antrag stellen. Auftraggeber wie Auftragnehmer.

Absatz 2 legt den Maßstab fest: Entschieden wird "auf Grund einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalles". Andere Versicherungsträger sind an diese Entscheidung gebunden, was dem Verfahren seinen praktischen Wert gibt.

Vor Beginn statt hinterher

Seit der Neufassung geht der Antrag auch vorab. Nach Absatz 4a entscheidet die Rentenversicherung "bereits vor Aufnahme der Tätigkeit", auf Grundlage der schriftlichen Vereinbarungen und der beabsichtigten Umstände. Ändert sich innerhalb eines Monats nach Beginn etwas Wesentliches, müssen die Beteiligten das unverzüglich mitteilen.

Für Auftraggeber mit vielen gleichartigen Verträgen ist Absatz 4b interessant. Die Rentenversicherung äußert sich dann gutachterlich zu "gleichen Auftragsverhältnissen", also zu Verträgen, deren Tätigkeiten und Umstände übereinstimmen.

Ein Datum sollten Sie sich notieren. Absatz 7 lässt die Regelungen zur Prognoseentscheidung und zur Gruppenfeststellung mit Ablauf des 30. Juni 2027 außer Kraft treten, sofern der Gesetzgeber sie nicht verlängert.

Der Schutz aus Absatz 5

Wer den Antrag innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit stellt, verschiebt im Fall der Fälle den Beginn der Versicherungspflicht auf den Tag der Bekanntgabe. Voraussetzung: der Beschäftigte stimmt zu und war zwischenzeitlich für Krankheit und Alter abgesichert. Das ist der Unterschied zwischen einer Nachforderung über Jahre und einer Beitragspflicht ab heute.

Widerspruch und Klage haben nach Absatz 6 aufschiebende Wirkung. Auch das ist ein Vorteil, den die spätere Betriebsprüfung nicht bietet.

Was Sie einreichen sollten

Nach Absatz 3 teilt die Rentenversicherung mit, welche Angaben und Unterlagen sie benötigt, und setzt dafür eine Frist. In der Praxis sind das der unterschriebene Vertrag, eine Beschreibung des Arbeitsalltags, Angaben zu weiteren Auftraggebern, Nachweise über eigene Betriebsmittel sowie Belege für den eigenen Marktauftritt.

Schönfärberei lohnt sich hier nicht. Absatz 4 verpflichtet die Behörde, die beabsichtigte Entscheidung und die tragenden Tatsachen vorher mitzuteilen und Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Wer an dieser Stelle korrigiert, korrigiert rechtzeitig.

Ein Punkt wird oft übersehen. Nach Absatz 2 Satz 2 stellt die Rentenversicherung auch fest, ob das Beschäftigungsverhältnis zu einem Dritten besteht, wenn die Tätigkeit für diesen erbracht wird und Anhaltspunkte für Eingliederung und Weisungsbindung dort vorliegen. Für Ketten aus Vermittler, Dienstleister und Endkunde ist das die entscheidende Vorschrift.

Anfrage vorab, Anfrage nachträglich, Betriebsprüfung

Antrag vor BeginnAntrag im ersten MonatBetriebsprüfung

Rechtsgrundlage

§ 7a Abs. 4a SGB IV

§ 7a Abs. 5 SGB IV

§ 28p SGB IV

Wer löst es aus

Auftraggeber oder Auftragnehmer

Auftraggeber oder Auftragnehmer

Der Rentenversicherungsträger

Grundlage der Prüfung

Vertrag und beabsichtigte Umstände

Vertrag und gelebte Praxis

Die gesamte gelebte Praxis

Beginn der Versicherungspflicht

Ab Aufnahme, falls Beschäftigung festgestellt wird

Erst mit Bekanntgabe der Entscheidung, unter Bedingungen

Rückwirkend ab Beginn der Tätigkeit

Aufschiebende Wirkung

Ja, nach Absatz 6

Ja, nach Absatz 6

Nur nach gesondertem Antrag

Typischer Ausgang

Planbarkeit vor der ersten Rechnung

Beitragspflicht ohne Nachzahlung

Nachforderung für die offenen Jahre

Arbeitnehmerähnlich ist nicht scheinselbstständig

Hier verwechseln fast alle etwas, und die Verwechslung hat Folgen. Der arbeitnehmerähnliche Selbstständige ist echt selbstständig. Der Scheinselbstständige ist es nicht.

§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI erfasst Personen, die "a) im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und b) auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind".

Die Rechtsfolge ist eng begrenzt. Diese Personen sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, und zwar allein. Kein Arbeitgeberanteil, kein Kündigungsschutz, kein Urlaubsanspruch, keine Nachforderung beim Auftraggeber. Selbstständig bleiben sie trotzdem.

Die berühmte Fünf-Sechstel-Grenze

In Foren kursiert die Regel, wer mehr als fünf Sechstel seines Umsatzes von einem Auftraggeber beziehe, sei scheinselbstständig. Das ist gleich doppelt falsch.

Erstens steht die Zahl nicht im Gesetz. Das Gesetz sagt "im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber", und die Fünf-Sechstel-Quote stammt aus der Verwaltungspraxis zu dieser Formulierung. Zweitens betrifft sie ausschließlich die Rentenversicherungspflicht nach § 2 SGB VI, nicht die Statusfrage nach § 7 SGB IV.

Der Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Bei § 2 SGB VI geht es um wirtschaftliche Abhängigkeit, bei § 7 SGB IV um persönliche Abhängigkeit.

Ein Beispiel macht es greifbar. Ein Entwickler erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes bei einem Kunden, arbeitet aber ohne Weisungen, mit eigener Ausstattung, in eigener Zeiteinteilung. Er ist arbeitnehmerähnlich und rentenversicherungspflichtig. Scheinselbstständig ist er nicht. Umgekehrt kann jemand mit vier Auftraggebern scheinselbstständig sein, wenn er bei einem davon Dienstpläne erfüllt und Anweisungen entgegennimmt.

Praktisch heißt das zweierlei. Wer die Fünf-Sechstel-Grenze unterschreitet, ist damit noch lange nicht aus dem Schneider, denn die Statusfrage stellt sich unabhängig von jeder Umsatzquote. Und wer sie überschreitet, hat kein Statusproblem, sondern eine Meldepflicht gegenüber der Rentenversicherung.

Eine dritte Kategorie kommt in Tarifverträgen und im Urlaubsrecht vor, nämlich die arbeitnehmerähnliche Person nach § 12a Tarifvertragsgesetz. Sie ist wirtschaftlich abhängig und sozial schutzbedürftig wie ein Arbeitnehmer, bleibt aber selbstständig und erhält nur einzelne Schutzrechte, etwa den gesetzlichen Mindesturlaub. Auch das ist keine Scheinselbstständigkeit.

Welche Verträge brauchen Sie für freie Mitarbeiter?

Diese Dimension überspringen die meisten Beiträge zum Thema. Dabei entscheidet sie mit, ob die Einordnung eine Prüfung übersteht. Die Unterlagen unterscheiden sich nach Art, nicht nur nach Überschrift.

Unterlagen für den freien Mitarbeiter

  1. 1.
    Dienst- oder Werkvertrag. Das Hauptdokument. Es regelt Leistungsumfang, Ergebnisse, Vergütung, Laufzeit, Kündigung und Haftung. Kein Arbeitsverhältnis, keine Vertretungsmacht, keine Weisungsbindung. Unsere kostenlosen Vertragsvorlagen sind ein Ausgangspunkt.
  2. 2.
    Geheimhaltungsvereinbarung. Schützt vertrauliche Informationen. Häufig im Hauptvertrag enthalten, sauberer aber als eigenes Dokument, wenn mehrere Aufträge folgen. Für Softwareprojekte siehe unseren NDA-Leitfaden für Auftragnehmer.
  3. 3.
    Einräumung von Nutzungsrechten. Zentral bei Software, Design und Text. Ohne ausdrückliche Einräumung bleiben die Rechte beim Urheber. Die Vorlage für Softwareentwicklungsverträge enthält die passenden Klauseln.
  4. 4.
    Gewerbeanmeldung oder Nachweis der freiberuflichen Tätigkeit. Dazu die Steuernummer und, falls vorhanden, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Vor der ersten Zahlung einholen, nicht danach.
  5. 5.
    Leistungsbeschreibung je Auftrag. Bei Rahmenverträgen definiert sie Ergebnisse, Meilensteine und Abnahme für jeden Einzelabruf.

Unterlagen für den Beschäftigten

  1. 1.
    Arbeitsvertrag. Tätigkeit, Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub, Probezeit, anwendbarer Tarifvertrag.
  2. 2.
    Anmeldung zur Sozialversicherung. Mit der ersten Entgeltabrechnung, spätestens innerhalb von sechs Wochen nach Beginn.
  3. 3.
    Nachweis der wesentlichen Vertragsbedingungen. Das Nachweisgesetz verlangt sie schriftlich, in Teilen bereits am ersten Arbeitstag.
  4. 4.
    Rechteeinräumung und Verschwiegenheit. Aus dem Arbeitsverhältnis gehen Nutzungsrechte in der Regel über, die ausdrückliche Regelung schließt die Lücken bei Werken außerhalb der Arbeitszeit.
  5. 5.
    Steuer-Identifikationsnummer und Sozialversicherungsausweis.
  6. 6.
    Unterweisung im Arbeitsschutz und Datenschutzverpflichtung. Vor dem ersten Einsatz, mit Nachweis.

Das Paket für freie Mitarbeit ist schlanker. Jedes fehlende Stück wird in der Prüfung trotzdem zum Thema, denn Prüfer sehen sich an, welche Papiere tatsächlich unterschrieben wurden und ob sie zum Arbeitsalltag passen.

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Was eine Feststellung den Auftraggeber kostet

Wird eine Beschäftigung festgestellt, bleibt es nicht bei einem Bußgeld. Es wird rückwirkend neu gerechnet.

Beiträge insgesamt, nicht nur der Arbeitgeberanteil. Der Auftraggeber schuldet den Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Den Arbeitnehmeranteil darf er nur für die letzten drei Monate vom laufenden Entgelt einbehalten. Alles davor bleibt bei ihm hängen.

Verjährung: vier Jahre, im Vorsatzfall dreißig. § 25 Abs. 1 SGB IV formuliert es knapp: "Ansprüche auf Beiträge verjähren in vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem sie fällig geworden sind. Ansprüche auf vorsätzlich vorenthaltene Beiträge verjähren in dreißig Jahren." Der Sprung von vier auf dreißig Jahre ist der teuerste Satz im ganzen Sozialgesetzbuch.

Säumniszuschläge. Ein Prozent des rückständigen Betrags für jeden angefangenen Monat. Über mehrere Jahre summiert sich das erheblich.

Lohnsteuer. Das Finanzamt fordert die nicht abgeführte Lohnsteuer nach, gleichzeitig kann der Vorsteuerabzug aus den Rechnungen des vermeintlichen Selbstständigen entfallen.

Strafrecht. § 266a Abs. 1 StGB stellt es unter Strafe, wenn ein Arbeitgeber "der Einzugsstelle Beiträge des Arbeitnehmers zur Sozialversicherung einschließlich der Arbeitsförderung, unabhängig davon, ob Arbeitsentgelt gezahlt wird, vorenthält". Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen bis zu zehn.

Und der Ansteckungseffekt. Nach § 28p Abs. 1 SGB IV prüfen die Rentenversicherungsträger die Arbeitgeber "mindestens alle vier Jahre". Wird ein Fall aufgegriffen, sieht der Prüfer sich die vergleichbaren Verträge gleich mit an.

Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar. Wer eine Fachkraft vier Jahre lang für 6.000 Euro im Monat beauftragt hat und am Ende eine Beschäftigung festgestellt bekommt, sieht sich bei einem Gesamtbeitragssatz von rund 41 Prozent einer Forderung im niedrigen sechsstelligen Bereich gegenüber, bevor Säumniszuschläge und Lohnsteuer überhaupt dazukommen. Der Auftragnehmer hat seine Krankenversicherung in dieser Zeit längst selbst bezahlt, angerechnet wird ihm das nicht.

Was der freie Mitarbeiter tun kann

Der Antrag nach § 7a SGB IV steht auch dem Auftragnehmer offen, ohne Zustimmung der Gegenseite. Wird eine Beschäftigung festgestellt, entsteht rückwirkend Versicherungsschutz, und aus dem Auftragsverhältnis wird ein Arbeitsverhältnis mit Kündigungsschutz, Urlaub und Entgeltfortzahlung. Über den Bestand des Arbeitsverhältnisses entscheidet allerdings das Arbeitsgericht, nicht die Rentenversicherung.

Wie beauftrage ich einen freien Mitarbeiter sauber?

Wenn die Zusammenarbeit wirklich selbstständig angelegt ist, schützt ein sauberer Ablauf beide Seiten. Die fünf Schritte kosten mit den passenden Vorlagen weniger als eine Stunde und erzeugen den Prüfpfad, den Sie brauchen, falls der Status je hinterfragt wird.

  1. Den Status ehrlich prüfen

    Bevor irgendetwas unterschrieben wird, gehen Sie die Anhaltspunkte aus § 7 Abs. 1 SGB IV durch:

    • Bestimmt der Auftragnehmer, wie er arbeitet?
    • Ist der Auftrag auf ein Ergebnis mit absehbarem Ende gerichtet?
    • Darf er während der Zusammenarbeit weitere Auftraggeber annehmen?
    • Arbeitet er mit eigenen Betriebsmitteln?
    • Darf er sich vertreten lassen?

    Wenn Sie das überwiegend verneinen, ordnen Sie die Rolle als Beschäftigung ein, bevor Sie weitermachen. Ein Arbeitsverhältnis als Auftragsverhältnis zu verpacken ist genau der Weg in die Nachforderung.

  2. Bei Zweifeln das Statusfeststellungsverfahren nutzen

    Ist der Fall nicht eindeutig, stellen Sie den Antrag nach § 7a SGB IV bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Vor Aufnahme der Tätigkeit ist die Prognoseentscheidung nach Absatz 4a möglich, innerhalb des ersten Monats greift der Schutz aus Absatz 5. Beides ist deutlich billiger als eine Betriebsprüfung drei Jahre später.

    Legen Sie dem Antrag den unterschriebenen Vertrag und eine nüchterne Beschreibung der geplanten Zusammenarbeit bei.

  3. Das Vertragspaket unterschreiben lassen

    Das Paket umfasst den Dienst- oder Werkvertrag mit Geheimhaltung und Rechteeinräumung, dazu bei Bedarf eine Leistungsbeschreibung je Projekt. Senden Sie alle Dokumente in einem Unterschriftenlauf, in der richtigen Reihenfolge, mit dem Auftraggeber zuletzt. Ein einheitlicher Lauf erzeugt einen saubereren Prüfpfad als drei einzelne E-Mails.

    Für Softwareprojekte ist die Vorlage für Softwareentwicklungsverträge ein Ausgangspunkt, der Rechte, Vertraulichkeit und Abnahme bereits abdeckt.

  4. Vergütung schriftlich regeln

    Der Vertrag sollte festlegen:

    • Vergütung nach Pauschale, Stundensatz oder Meilenstein
    • Zahlungsziel und Rechnungsanforderungen
    • Abnahmekriterien und Nachbesserung
    • Folgen verspäteter Zahlung

    Zahlen Sie nicht, bevor der Vertrag vollständig unterschrieben ist. Ein unterschriebener Vertrag vor der ersten Rechnung ist die saubere Reihenfolge.

  5. Den Prüfpfad manipulationssicher aufbewahren

    Bewahren Sie alle unterschriebenen Dokumente, Nachweise, Rechnungen, Zahlungsbelege und Projektergebnisse zentral und manipulationssicher auf. Wird der Status je hinterfragt, ist dieser Bestand der Beweis, dass die Zusammenarbeit als echte Beauftragung gelaufen ist. Ein PDF-Ordner auf einem Laptop reicht nicht. Nutzen Sie ein geprüftes Dokumentenmanagement, das jede Aktion mit kryptografischen Zeitstempeln festhält.

    Für den vollständigen Ablauf im IT-Umfeld siehe unseren Vertragsmanagement-Leitfaden für IT-Unternehmen.

Wann sollten Sie den freien Mitarbeiter anstellen?

Manchmal verschiebt sich eine Zusammenarbeit, die als Auftrag begann, Richtung Beschäftigung. Dann ist die Anstellung die richtige Entscheidung. Übliche Anzeichen:

  • Der Umfang wuchs, bis der Auftragnehmer faktisch in Vollzeit für Sie arbeitet
  • Aus Projektergebnissen wurden laufende Aufgaben im Tagesgeschäft
  • Sie steuern inzwischen die Arbeitsweise, nicht mehr nur die Abnahme
  • Der Auftragnehmer steht im Organigramm, berichtet an eine Führungskraft, hat eine interne Adresse
  • Die Zusammenarbeit läuft über ein Jahr ohne absehbares Ende

Ein Punkt ist ein gelbes Signal. Zwei sind ein rotes, und das Gespräch sollte von "passt schon" zu "wie stellen wir sauber um" wechseln.

Wie die Umstellung ohne Nachforderung gelingt

  1. 1.
    Stichtag festlegen. Meist der Beginn eines Kalendermonats.
  2. 2.
    Den Auftrag förmlich beenden. Schlussrechnung, Zahlung, Beendigung nach den Fristen des Vertrags.
  3. 3.
    Arbeitsvertrag ausstellen. Tätigkeit, Vergütung, Arbeitszeit, Beginn.
  4. 4.
    Das Standardpaket abarbeiten. Anmeldung zur Sozialversicherung, Nachweis der Vertragsbedingungen, Rechteeinräumung, Unterweisungen.
  5. 5.
    Die Begründung dokumentieren. Ein kurzer interner Vermerk, warum sich die Rolle geändert hat, beantwortet später die Frage, ob es nicht von Anfang an eine Beschäftigung war.

Für Rollen und Zugriffe im Team siehe /team-management.

Die Umstellung selbst wird nicht sanktioniert. Sanktioniert wird, sie zu unterlassen, wenn die Zusammenarbeit längst eine Beschäftigung ist. Die billigste Absicherung ist das rechtzeitige Umstellen, nicht das Abwarten, bis eine Prüfung die Sache aufgreift.

Der Status entscheidet sich nicht im Vertrag

Scheinselbstständigkeit ist einer der Fehler, die billig zu vermeiden und teuer zu beheben sind. Die nötigen Unterlagen sind klar beschrieben, Vorlagen gibt es, und der Unterschriftenlauf steht an einem Nachmittag. Was es braucht, ist Ehrlichkeit über die Zusammenarbeit: nicht was im Vertrag steht, sondern wie sie tatsächlich läuft.

§ 611a Abs. 1 Satz 6 BGB sagt es in einem Satz. Zeigt die tatsächliche Durchführung ein Arbeitsverhältnis, kommt es auf die Bezeichnung nicht an. Wer regelmäßig frei beauftragt, prüft die Verhältnisse jährlich, nutzt bei Zweifeln das Verfahren nach § 7a SGB IV und stellt um, sobald die Praxis gekippt ist. Die Deutsche Rentenversicherung beschreibt ihren eigenen Prüfmaßstab öffentlich.

Ob freier Mitarbeiter oder Beschäftigter: Jeder unterschriebene Vertrag gehört in ein System mit nachprüfbarem Protokoll. Die kostenlosen Vertragsvorlagen, Unterschriftenläufe mit Identitätsprüfung und die manipulationssichere Dokumentenprüfung von Chaindoc decken den Ablauf von Anfang bis Ende ab. Für die Seite der Selbstständigen siehe /freelancers.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Chaindoc und sicheren Dokumenten-Workflows.

Scheinselbstständig ist, wer formal als Selbstständiger beauftragt wird, die Arbeit aber als Beschäftigter leistet. Maßgeblich sind die beiden Anhaltspunkte aus § 7 Abs. 1 SGB IV: eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. Der Auftragnehmer schreibt Rechnungen, zahlt seine Absicherung selbst und hat keinen Kündigungsschutz, erfüllt im Alltag aber Vorgaben zu Zeit, Ort und Art der Ausführung. Rechtlich liegt dann eine Beschäftigung mit voller Versicherungspflicht vor.

Sehen Sie sich fünf Punkte an. Wer bestimmt, wie Sie arbeiten. Wer die Betriebsmittel stellt. Wer das Risiko trägt, wenn das Ergebnis nicht taugt. Ob Sie sich vertreten lassen dürfen. Und ob Sie in eine fremde Organisation eingebunden sind, also Dienstpläne, interne Adressen und Besprechungen. Fällt die Antwort überwiegend zulasten Ihrer Freiheit aus, sprechen Weisungen und Eingliederung für eine Beschäftigung. Kein Merkmal entscheidet allein, § 611a Abs. 1 Satz 5 BGB verlangt eine Gesamtbetrachtung aller Umstände.

Nein. § 611a Abs. 1 Satz 6 BGB stellt ausdrücklich klar, dass es auf die Bezeichnung im Vertrag nicht ankommt, wenn die tatsächliche Durchführung ein Arbeitsverhältnis zeigt. Eine Klausel, in der beide Seiten festhalten, dass kein Arbeitsverhältnis gewollt sei, ändert daran nichts. In der Prüfung stehen dem Vertrag Weisungs-E-Mails, Dienstpläne, Zugangsdaten, Kalendereinträge und Aussagen von Kollegen gegenüber.

Nach § 7a Abs. 1 SGB IV beantragen die Beteiligten bei der Deutschen Rentenversicherung Bund schriftlich oder elektronisch eine Entscheidung darüber, ob eine Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit vorliegt. Beide Seiten dürfen den Antrag stellen. Die Rentenversicherung fordert Unterlagen an, teilt die beabsichtigte Entscheidung vorab mit und gibt Gelegenheit zur Stellungnahme. Entschieden wird nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalles. Andere Versicherungsträger sind an das Ergebnis gebunden.

Ja. § 7a Abs. 4a SGB IV erlaubt die Entscheidung bereits vor Aufnahme der Tätigkeit, auf Grundlage der schriftlichen Vereinbarungen und der beabsichtigten Umstände der Vertragsdurchführung. Ändert sich bis zu einem Monat nach Beginn etwas Wesentliches, muss das unverzüglich mitgeteilt werden. Absatz 7 lässt diese Regelung mit Ablauf des 30. Juni 2027 außer Kraft treten, sofern der Gesetzgeber sie nicht verlängert.

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